Interview mit J., Sozialarbeiter in Marzahn-Hellersdorf im Rahmen der Kampagne Solidarische Kieze

Im August 2020 haben wir als Kampagne Solidarische Kieze ein kleines Interview mit einem Sozialarbeiter aus Marzahn-Hellersdorf geführt. Hier findet Ihr seine Antworten:

J.: Nein, ich hatte von eurer Kampagne „Solidarische Kieze in Marzahn-Hellersdorf“ noch nichts gehört. Allerdings arbeite ich auch erst seit kurzem als Sozialarbeiter in Marzahn-Hellersdorf und ich wohne in einem anderen Bezirk.

  • Was haltet Ihr von der Idee?

J.: Ich finde die Idee gut, sich zu vernetzen, sich auszutauschen, sich auch zu unterstützen, ins Gespräch zu kommen und Zeichen zu setzen und mehr als das, um Diskriminierung, Ausgrenzung, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus zu thematisieren und entgegen zu wirken. Und auch der Versuch von Achtsamkeit, den Blick auch auf sich selbst zu richten und sich selbst immer wieder zu hinterfragen und offen zu sein für Rückmeldungen, falls in eigenen Handlungen und Denkweisen diskriminierende Aspekte vorhanden sein sollten.

  • Könntet Ihr Euch vorstellen Euch daran aktiv zu beteiligen, z.B. indem Ihr z.B. eigene Formate mit dem frei zur Verfügung stehenden Kampagnenlogo kennzeichnet?

J.: Wir haben es im Team noch nicht besprechen können. Stand heute haben wir euren Aufkleber und Flyer ausgelegt.

  • Was versteht Ihr heute unter dem Begriff „Solidarität“? Ist das für Euch noch zeitgemäß und falls ja, wie kann oder sollte praktische Solidarität in diesen schwierigen Zeiten aussehen?

J.: „Solidarität“ heißt für mich, zuzuhören, zu versuchen, achtsam zu sein, sensibel zu sein für Diskriminierungsformen und Ausgrenzungen, zu versuchen, vorurteilsbewusst zu sein etc. Und im nächsten Schritt, sich aktiv gegen Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie, Nationalismus etc. zu verhalten und zu versuchen, sich für eine gerechtere Gesellschaft und größere Chancengleichheit und für eine Umverteilung einzusetzen. Kritisch zu hinterfragen, wer welche Vorteile hat und wer welche Nachteile hat. Wahrzunehmen, dass Chancen und Möglichkeiten nicht gleich verteilt sind. Dass es auf vielen Ebenen strukturelle Diskriminierungen gibt . Z.B. hinzuschauen, wer wo sicher leben kann und wer nicht, wer welche Ausbildung machen kann, wer studieren kann und warum, wer welche Jobs erhält und wer nicht, warum verschiedene  Jobs unterschiedlich entlohnt werden, welche Jobs welches Ansehen haben, wie Vermögen in der Gesellschaft verteilt ist etc.

  • Wie schätzt Ihr aktuell die soziale Situation in den Stadtteilen und Kiezen unseres Bezirks ein? Wie nehmt Ihr die Stimmungslage in den Nachbarschaften wahr? Was sind aktuell die dringendsten Bedürfnisse der hier lebenden Menschen?

J.: Ich kann es leider nicht gut einschätzen, da ich erst seit April hier arbeite. Ich glaube der Bezirk ist stark polarisiert. Es gibt Anwohner*innen und Institutionen und Strukturen, die sich für ein solidarisches Miteinander einsetzen und es gibt Anwohner*innen und Strukturen, die sich gegen Andere wenden, Vorurteile formulieren, ausgrenzen und nicht auf Verständigung aus sind.