30.11.2019 Sportmuseum Marzahn-Hellersdorf: „Ringen gegen den Faschismus“: Debatte über Werner Seelenbinder.

„Ringen gegen den Faschismus“: Debatte über Werner Seelenbinder. Um das außergewöhnliche Leben des Weltklasse-Ringers und NS-Widerstandskämpfers geht es an diesem Sonnabend, 30. November, im Sportmuseum Marzahn-Hellersdorf. Anlass ist sein 75. Todestag. Er war am 24. Oktober 1944 von den Nazis im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet worden. Seelenbinder war 1904 in Stettin geboren worden und trat in jungen Jahren für den Sportclub Berolina in Neukölln an. In den 20er-Jahren war er bei mehreren internationalen Arbeiterwettkämpfen erfolgreich. Zwischen 1933 und 1941 wurde er sechsmal Deutscher Meister im Halbschwergewicht im klassischen Stil, belegte dritte Plätze bei den Europameisterschaften 1937 und 1938 und wurde 1936 Vierter bei den Olympischen Spielen in Berlin. Seit 1933 gehörte Seelenbinder der KPD an. Seine Reisen zu Wettkämpfen im Ausland nutzte er, um als Kurier illegale Schriften zu schmuggeln. 1939 wurde Seelenbinder zur Arbeit im Rüstungsbetrieb Marienfelde herangezogen, wo er eine Widerstandsgruppe aufbaute. 1942 flog er auf, zwei Jahre später wurde er zum Tode verurteilt.

Das Sportmuseum ist auch deshalb Seelenbinder verpflichtet, weil zu seinen Exponaten eine Gedenktafel zählt, die einst am Elektro-Apparate-Werk (EAW) in Treptow hing und nach der Wende „gerettet“ wurde, wie der Vorsitzende des Bezirkssportbundes, Jan Lehmann, berichtet. Das Kolloquium richtet das Museum mit dem Olympia- und Sportphilatelisten-Club Berlin aus. Es soll dazu beitragen, „zwischen Mythos und Wirklichkeit“ zu unterscheiden, wie es in der Ankündigung heißt. Seelenbinder sei „in der DDR teilweise verklärt, in der Bundesrepublik ignoriert und im vereinten Deutschland durch Aufnahme in die ‚Hall of Fame des deutschen Sports‘ wiederentdeckt“ worden. Hier findet sich eine ausführliche Würdigung des Sportlers und Widerstandskämpfers durch die Ruhmeshalle. Auch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand erinnert an sein Wirken.

An der Diskussion nehmen teil: die frühere Leiterin des Sportmuseums Leipzig, Gerlinde Rohr, der Herausgeber des „Journal of Olympic History“, Volker Kluge, der Schwergewichts-Weltmeister im Freistilringen von 1981, Roland Gehrke, der Wissenschaftliche Berater des Bezirkssportmuseums, Daniel Heimbach, sowie der langjährige Hörfunk-Sportjournalist Klaus-Jürgen Alde. Beginn der Debatte im Sportmuseum in der Eisenacher Straße 121 ist um 10.30 Uhr.

Quelle: Tagesspiegel-Newsletter Marzahn-Hellersdorf

Siehe auch Website des Sportmuseums.