Pressemitteilung des Frauenbeirats zum 80-jährigen Kriegsbeginn

Am Sonntag, dem 1. September 2019, jährt sich der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen und damit der Beginn des 2. Weltkrieges zum 80. Mal. In zahlreichen Pressemitteilungen und mit Veranstaltungen wird in diesen Tagen an diesen furchtbaren Krieg und seine Oper erinnert. Ungefähr. 60-65 Millionen Kriegstote waren am Ende des Krieges zu beklagen. Dazu kommen die Millionen Opfer der Gewaltherrschaft, die von Einsatzgruppen ermordet und in Konzentrationslagern inhaftiert, gequält und schließlich ermordet wurden.

Häufig unbeachtet wird die Rolle von Frauen sowohl im Krieg als auch in der Verfolgungsmaschinerie des Gewaltsystems. In Literatur und Film werden sie häufig in ihren Rollen als besorgte Soldatenmütter oder -ehefrauen und seltener als Arbeiterinnen dargestellt. Aber: Frauen waren eben nicht nur Mütter und Ehefrauen, liebevolle Krankenschwestern oder als Arbeiterinnen der ‚Ersatz‘ für die in der Wehrmacht dienenden Männer. Wie neuere Forschungen zeigen, dienten rund 500.000 Frauen in der Wehrmacht als Helferinnen, damit die Männer an die Front gehen konnten, oder auch als Flakhelferinnen. Auch bei den Genoziden waren Frauen in erheblichem Ausmaß beteiligt. Frauen waren aber nicht nur auf der Täterseite beteiligt – sie waren in besonderer Weise auch Opfer der militärischen Auseinandersetzungen. Hingewiesen wird gerne auf die massenhaften Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Soldaten aus den Armeen der sogenannten Siegermächte – dass Soldaten aus den Reihen der Wehrmacht sich ebenso verhielten, wurde lange verschwiegen.

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Pressemitteilung: Nie wieder Krieg – eine Erklärung zum 1.9.1939 – 1.9.2019

Berlin, den 28.08.2019

Pressemitteilung des Bündnisses für Demokratie und Toleranz

 Nie wieder Krieg – eine Erklärung zum 1.9.1939 – 1.9.2019

Vor 80 Jahren, am 1. September 1939, überfiel die deutsche Wehrmacht ohne Grund und Vorankündigung die 2. Polnische Republik. Damit begann der 2. von Deutschland angezettelte Weltkrieg, an dessen Ende geschätzt 60-65 Millionen Kriegstote standen. Den zahlenmäßigen meisten Kriegstoten hatte die Sowjetunion zu beklagen, gemessen an der Bevölkerungszahl steht mit 17,2% das zuerst überfallene Polen an der Spitze. Im Verlauf des Krieges verloren zudem zahllose Menschen ihr Zuhause und ihre Existenzgrundlage, wurden ganze Landstriche zerstört. Die bereits zuvor begonnene Verhaftung und Ermordung bestimmter Bevölkerungsgruppen wie z.B. jüdische Menschen oder Sinti und Roma wurde im Verlauf des Krieges in einem unermesslichen Maße fortgesetzt; dies nicht nur in Konzentrationslagern, sondern durch die so genannten Einsatzgruppen, die der Wehrmacht folgten. Der Inhaftierung und Ermordung fielen zudem auch Millionen Menschen aus den überfallenen Ländern besonders Osteuropas zum Opfer.

Nach dem Ende des Krieges 1945 hieß es allenthalben „Nie wieder Krieg“. „Wer noch einmal ein Gewehr in die Hand nimmt, dem soll die Hand abfaulen!“, sagte bspw. 1949 der spätere Verteidigungsminister Franz Josef Strauß.

Aber: Das „Nie wieder“ war von Anfang an brüchig und ist es heute noch. Deutschland ist weltweit der viertgrößte Waffenexporteur. Seit den 1990er Jahren beteiligt sich die Bundeswehr an militärischen Einsätzen der NATO zu Friedenserhaltung und Friedenssicherung.

Friedenspolitisch engagierte Organisationen wie das Forum Ziviler Friedensdienst weisen immer wieder darauf hin, dass die friedenssichernde und friedenserhaltende Wirkung militärischer Einsätze mehr als fraglich ist. Sie lehnen das Primat des Militärischen ab und verfolgen das Ziel, Waffeneinsatz und andere Formern kollektiver Gewalt zurückzudrängen und stattdessen gewaltfreies Handeln zwischen Einzelnen, zwischen Gruppen und Völkern zu stärken. Gleichzeitig fordern sie, die Mittel für die Bekämpfung von Ungerechtigkeit, Armut, Diskriminierung und strukturelle Gewalt im Rahmen der innergesellschaftlichen Menschenrechtsarbeit, der Humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit deutlich zu erhöhen. Denn: Prävention und Überwindung von Hass und Gewalt ist nur möglich, wenn alle Menschen weltweit ein gutes Leben führen können.

Dem schließen wir uns ohne Wenn und Aber an. Die Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkrieges darf nicht im Gedenken stecken bleiben. Es gilt, aus den furchtbaren Erfahrungen Konsequenzen zu ziehen und andere Wege als Gewalt und Krieg zu finden.

Henny Engels und Beatrice Morgenthaler im Namen des Bündnisses für Demokratie und Toleranz am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf

V.i.S.d.P.: Henny Engels; Sprecherin Bündnis für Demokratie und Toleranz

BfDT M-H (PM 36)_Nie wieder Krieg – eine Erklärung zum 1.9.1939 – 1.9.2019

 

„Noch ist nichts verloren…?“ – Polen und Deutsche erinnern den 1. September 1939

(Wolfram Hülsemann, Bündnis für Demokratie und Toleranz Marzahn-Hellersdorf)

Drei Mal, so habe ich gelesen, fährt ein Shuttlebus von Marzahn zum Polenmarkt über die Grenze ins östliche Nachbarland. Geschickte Handwerker aus Polen finden bei uns immer wieder Verdienstmöglichkeiten. Und wir haben kürzlich vier wunderbare Urlaubstage in der Nähe der polnischen Ostsee erlebt. Polen ist uns so nahe! Und doch ist es für uns mehr als ein inzwischen recht vertrautes Nachbarland. Denn der 1. September 1939 steht dafür als Vorzeichen. Er bleibt ein denkwürdiger Tag!

An diesem Tag vor 80 Jahren überfiel die deutsche Wehrmacht mit unvorstellbarer Brutalität auch gegenüber der Zivilbevölkerung unser Nachbarland. Das Militär machte den Weg frei für Mörderbanden, sogenannte „Einsatzgruppen“, die auf Befehl der Nazi-Führung willfährig Jüdinnen und Juden suchten, gefangen nahmen, sofort töteten oder in Lager verschleppten. Aber auch nichtjüdische Polen*innen wurden bei geringstem Widerstand gemordet bzw. in Arbeitslager verbracht, – die polnische Intelligenz verfolgt und ausgeschaltet. Die großen Vernichtungslager der deutschen Nazis wurden in Polen errichtet. Die polnische Nation sollte völlig vernichtet werden. Dieses wunderbare Land wurde durch Deutsche „zum mechanisierten Schlachthaus, dessen Fließband ständig die Leichen ermordeter Menschen davonträgt“, wie es der polnische Literaturnobelpreisträger Czeslaw Milosz einmal nannte. Aber, – sollten wir daran nach 8o Jahren immer noch erinnern? –  Doch stellt sich nicht  eher die Frage: Dürfen w i r  je vergessen? Ich will mich jedenfalls an diese große Katastrophe (1933 -1945) immer wieder erinnern lassen. Nicht weil ich mich damals schuldig gemacht habe, sondern weil ich Verantwortung spüre.  Dafür gibt es gute Gründe.

Solange die nachkommenden Generationen der damals im Namen Deutschlands Versklavten u. Ermordeten  das Ungeheuerliche erinnern, kann ich als Nachkomme der Tätergeneration nicht verdrängen und vergessen, was damals geschah.  Ich frage uns als Christen*innen: will das oft missdeutete Kreuzessymbol in den Kirchen unseren Blick nicht insbesondere auf die Opfer mörderischer Willkür lenken? Freilich, das emotionale Gedächtnis der Opfer und ihrer Nachkommen ist  intakter als das unsere. Wenn mein Empfinden irgendwie taub bleibt, nutze ich deshalb seit  meinem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz (bei Oświęcim, Polen) eine Übung:  Ich stelle mir meine geliebte Großmutter Gertrud vor: wie die Deutschen sie eingefangen, verschleppt und versklavt hätten. Wie sie ihr eine Nummer am Arm eintätowiert, Ihr die aschblonden Haare abrasiert und alles nahmen, was für sie wichtig war….und sehe sie schließlich auf dem Weg in die Gaskammer! Wenn sie zufällig eine Jüdin in Polen gewesen wäre, hätte sie das erlitten! Eine Übung, die ich gern „Perspektivwechsel“ nenne.  Auf diese Weise kann ich dieser scheinbar altbekannten Ungeheuerlichkeit völlig neu begegnen. – Ich gehöre doch zu den Nachfahren der anderen Seite,  den Nachkommen der Tätergeneration. – Mir bleibt die Scham (so auch unser Bundesaußenminister Heiko  Maas kürzlich im Gedenken an den Warschauer Aufstand vor Ort) und die Verantwortung für das heute und morgen. Mit veränderter Sicht dürfen wir heute mit  den Nachfahren der  Opfer gemeinsam trauern. Das ist echter Friedensschluss, – mehr als  Polenmarkt und Polenurlaub, weit mehr als verordnete Völkerfreundschaft.

Ein Friedensschluss, dessen Wert ich erkenne, wenn ich vorher an das erinnere, was mit dem September 1939 begann.

Polen hatte im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl die größten Menschenverluste der Nationen im 2. Weltkrieg: 5,65 Millionen Frauen, Männer, Kinder – ca. 95 Prozent davon waren Zivilisten

Download des Flyers als pdf-Dokument: 1.September 1939

Evangelische Gottesdienste am 1.September 2019

 Erinnerung an den Beginn des 2.Weltkrieges am 1. September 1939

9 Uhr Dorfkirche Marzahn

10.30 Uhr Gemeindezentrum Marzahn Nord, Schlesinger Straße 12

Suche den Frieden und jage ihm nach!“  Jahreswort aus Ps. 34.15